BGH, 05.11.2015 - VII ZR 59/14 - Urteil - EversOK



Gesetz
§ 84 Abs. 1 HGB; § 89 Abs. 2 Satz 1, 2. HS HGB; § 134 BGB; § 305 c BGB; § 307 BGB
Stichworte
- DVAG 45 -; Kündigungserschwernis; Kündigungserschwerung; Freiwilligkeitsvorbehalt bei Versprechen von Sonderleistungen des U
Anmerkung
Vorinstanzen OLG Frankfurt/Main, 21.02.2014 - 5 U 8/13 -; LG Frankfurt/Main, 11.12.2012 - 3-09 O 17/12 -;

zu LS 12 - Maßstab für die Auslegung von AGB - vgl. BGH, 09.05.2001 LS 5 m.w.N.;

zu LS 22 - Rechtsfolge einer unzulässigen Kündigungserschwernis - vgl. LG Freiburg, 15.02.2019 LS 22 m.w.N.;

zu LS 25
vgl.
KG, 26.06.1997 LS 6 m.w.N. - DVAG 4 -; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 89 Rz. 90; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 89 Rz. 24; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 Rz. 61;

zu LS 26 vgl. OLG Oldenburg, 26.11.2013 LS 7; OLG Köln, 13.05.2016 LS 20; OLG München, 09.03.2017 LS 6 - SDK 2 -; LG Kassel, 29.07.2014 LS 4; LG Karlsruhe, 15.02.2019 LS 11; 02.07.1990 LS 16; LG Nürnberg-Fürth, 27.05.2015 LS 7 - FORMAXX 43 -; LG München I, 10.12.2018 LS 4 - Die Bayerische 2 -; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 89 Rz. 24;

26.1 Die Annahme des Senats ist zumindest für formularvertragliche Gestaltungen nicht frei von Zweifeln. Denn grundsätzlich wird der HV als Vertragspartner des U als des Verwenders einer bei kundenfeindlichster Auslegung gegen zwingende Normen des Handelsvertreterrechts verstoßenden Klausel unangemessen i.S. des § 307 Abs. 1 BGB benachteiligt (Anm. 5.1 zu BGH, 10.12.1997). Dies gilt insbesondere auch für den Verstoß gegen § 89 Abs. 2 Satz 1, 2. HS HGB (OLG Oldenburg, 26.11.2013 LS 17 - FVB 4 -). Dabei legt die Vorschrift des § 307 Abs. 1 BGB einen generellen, überindividuellen Prüfungsmaßstab und eine typisierende Betrachtungsweise zugrunde; auf die speziellen Umstände des Einzelfalls kommt es insoweit nicht an (BGH, 09.05.1996 LS 4 m.w.N. - Flachdach -).

26.2 Sind die für eine Inhaltskontrolle von AGB maßgeblichen Parameter daher anhand generalisierender Betrachtungsweise festzustellen (OLG Naumburg, 12.02.2010 LS 26) ist es für die Inhaltskontrolle von formularvertraglichen Bestimmungen über die Rückzahlung von unverdienten Vorschüssen im Rahmen eines HVV ohne Bedeutung, dass der HV im Einzelfall durch die potentielle Pflicht zur Rückzahlung nicht von der ordentlichen Kündigung des HVV abgehalten werden mag. Vielmehr ist zu unterstellen, dass eine Rückzahlungsverpflichtung im Allgemeinen geeignet ist, die Entscheidung des HV über das Verbleiben bei dem U maßgeblich zu beeinflussen (OLG Naumburg, 12.02.2010 LS 27).

26.3 Richtigerweise wird man die Einzelfallbetrachtung lediglich auf der Rechtsfolgenseite anzustellen haben. Dies ist der Fall, wenn sich der Vorschussrückzahlungsanspruch des U selbst bei Fehlen einer ausdrücklichen vertraglichen Regelung nach dem allgemeinen Grundsatz ergibt, dass derjenige, der Geld als Vorschuss annimmt, sich auch verpflichtet, den Vorschuss an den Vorschussgeber zurückzuzahlen, wenn und soweit die bevorschusste Forderung nicht entsteht und nach der der Vorschuss auszugleichen ist, wenn der Vertrag beendet wird (vgl. dazu OLG Düsseldorf, 02.10.2015 LS 14 m.w.N.).

zu LS 27
vgl. OLG Hamburg, 17.03.2000 LS 6 m.w.N. (mit Übersicht zu den Fallgruppen einer Kündigungserschwerung); LG München I, 10.12.2018 LS 8 - Die Bayerische 2 -;

zu LS 28 - freiwillige Leistungen des U - vgl. auch schon BGH, 06.10.1999 LS 37 ff. - Kawasaki - (Bini, Zuschüsse etc.); 20.07.2005 LS 25 f. - Honda -; vgl. auch OGH, 22.10.2014 LS 25, 26; 21.11.2011 LS 1; LG Rostock, 25.09.2009 LS 12 m.w.N. - AWD 65 -; a.A. OLG München, 17.12.2008 LS 3, 21 (Bonusprovision)