BGH, Urteil, 26.05.1999 - VIII ZR 123/98 - EversOK



Fundstellen
EversOK; NJW-RR 99, 1481; BB 99, 1516; VW 99, 1282; DB 99, 2158; WM 99, 1986; VersR 99, 1279; MDR 99, 1206; ZIP 99, 1307; WVK 11/99, 8; r+s 99, 439; HVR Nr. 858; VW 00, 137 (Küstner); EWiR 99, 705 (Emde); SP 11/99, 93; LM Nr. 35 zu HGB § 89 a HGB; BGHR HGB § 89 a Abs 1 Wichtiger Grund 11; BGHR HGB § 89 a Abs. 1 Rechtzeitigkeit 1; BGHR HGB § 89 a Abs. 1 Abmahnung 1; EBE/BGH 99, BGH-Ls 415/99; Rechtsportal; Juris; BeckRS 99, 30060865; Lexetius; ibr-online; Judicialis; prinz.law; Wolters Kluwer
Gesetz
§ 89 a HGB; § 87 c Abs. 3 HGB
Stichworte
wichtiger Grund; Konkurrenztätigkeit; Erfordernis einer Abmahnung; Störung im Vertrauensbereich; offener Vertragsverstoß; Wissenszurechnung; Zurechnung der Kenntnis; deckungsbeitragsorientierte Vergütung; Anspruch auf Auskunft; Darlegungslast; Beweislast; Substantiierungspflicht; Überlegungsfrist
Anmerkung
zu dieser Entscheidung vgl. OLG Frankfurt/Main, 09.02.2004 LS 11; Küstner, VW 00, 137;

zu LS 4 vgl. BGH, 29.06.2011 LS 5; 10.11.2010 LS 8; 11.01.2006 LS 6 m.w.N.; 17.01.2001 LS 2; OLG Köln, 23.03.2005 LS 1 m.w.N. - Axa 7 -; OLG München, 01.07.2003 LS 16;

zu LS 6 vgl. OLG Jena, 17.04.2019 LS 46 - Mecklenburgische 4 -;

zu LS 8 vgl. BGH, 12.03.2003 LS 10; 17.01.2001 LS 17;

keiner Abmahnung soll es bedürfen bei grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Verstoß des HV gegen das Wettbewerbsverbot (vgl. OLG Düsseldorf, 16.12.2005 LS 18 m.w.N.; OLG Stuttgart, 30.11.2009 LS 21); bei einer unbefugten Beschaffung geschäftsinterner Daten des U (vgl. OLG München, 08.02.2018 LS 21); oder einer sonstigen schwerwiegenden Störung im Vertrauensbereich durch falsche oder fehlerhafte Angaben bei der Schadenbearbeitung des VV (vgl. OLG Köln, 20.07.2001 LS 6 m.w.N. - Vereinte -);

zum Erfordernis einer Abmahnung trotz Störung im Vertrauensbereich vgl. OLG Düsseldorf, 11.05.2001 LS 8 m.w.N. - Modeartikel -;

zu LS 15 vgl. Musielak/Foerste, ZPO, § 284 Rz. 16;

zu LS 18 vgl. BGH, 29.06.2011 LS 11; 15.12.1993 LS 2 m.w.N.; 14.04.1983 LS 8 m.w.N.; OLG Köln, 02.03.2001 LS 4; OLG Frankfurt/Main, 30.11.2000 LS 5; vgl. aber auch OLG Düsseldorf, 02.10.1998 LS 2, das eine Überlegungsfrist von längstens vier Wochen gewährt;

zu LS 19 vgl. BGH, 29.06.2011 LS 17; OLG Düsseldorf, 21.10.2005 LS 7 - DVAG 20 -; OLG Köln, 02.03.2001 LS 1;

zu LS 21 vgl. OLG Köln, 02.03.2001 LS 5, wonach es für den Beginn der Überlegungsfrist nicht auf die sichere Kenntnis vom Pflichtverstoß ankommt, sondern auf einen hinreichend konkret begründeten Verdacht eines vertragswidrigen Verhaltens, dem der Kündigende nachgehen kann;

zu LS 22 22.1 Eine allgemeine Wissenszurechnung dürfte zu weit gehen. Grundsätzlich ist eine Zurechnung auf der Ebene der Geschäftsführung statthaft (vgl. BGH, 09.11.1992 LS 3; OLG Düsseldorf, 02.10.1998 LS 11).

22.2 Der U muss sich über die Geschäftsführungsebene hinaus auch die Kenntnis des Personenkreises zurechnen lassen, der zur Änderung und insbesondere Kündigung des Agenturvertrages mit dem HV berechtigt ist (vgl. KG, 13.08.1940 LS 4).

22.3 Schutzwürdig kann ein HV, der eine offene Wettbewerbstätigkeit zu Lasten des U ausübt, darüber hinaus allenfalls dann sein, wenn er den Umständen nach erwarten durfte, dass die Hilfsperson des U, die von der Konkurrenztätigkeit erfahren hat, zur Kündigung oder Änderung des Vertrages berechtigt ist (vgl. BAG, 05.05.1977 LS 3 m.w.N.). Insoweit können die Grundsätze über die Anscheins- und Duldungsvollmacht fruchtbar gemacht werden.

22.4 Um das Risiko einer Zurechnung der Kenntnis eines Mitarbeiters auszuschließen, ist vor dem Ausspruch einer Kündigung dazu zu raten, den HV zur Abgabe einer Unterlassungserklärung hinsichtlich der Wettbewerbstätigkeit aufzufordern. Selbst wenn der U die Tätigkeit für einen gewissen Zeitraum geduldet haben sollte, ist er hieran nicht gehindert. Maßgeblich hierfür ist der Umstand, dass der U nicht wirksam auf die Pflicht des HV verzichten kann, seine Interessen wahrzunehmen (arg. § 86 Abs. 3 HGB). Gibt der HV die Unterlassungserklärung nicht fristgemäß ab, so ist der U wegen der Nichtbeachtung dieser Weisung zur fristlosen Kündigung berechtigt (vgl. dazu auch OLG München, 09.01.1998 LS 1).

zu LS 24 vgl. OLG Stuttgart, 09.06.1960 LS 6 m.w.N.;

zur Zulässigkeit einer deckungsbeitragsorientierten Vergütung und deren Grenzen vgl. OLG Oldenburg, 21.12.1995 LS 7 m.w.N.