BGH, Urteil, 29.05.2013 - IV ZR 165/12 - EversOK



Gesetz
§ 241 Abs. 2 BGB; § 6 Abs. 4 VVG; § 6 Abs. 6 VVG
Stichworte
- LVM 4 -; Korrespondenzpflicht des VU; vertragsbegleitende Beratungspflicht des VU; Fortbestehen bei Maklereinbruch; Anerkennung der Stellung eines VM als Korrespondenzmakler
Anmerkung
Vorinstanzen LG Münster, 29.03.2012 - 15 S 25/11 -; AG Münster, 10.08.2011 - 48 C 1243/11 -; vgl. dazu auch LG Münster, 19.07.2012 - 15 S 27/11 - LVM 3 -; AG Münster, 09.12.2011 - 28 C 2433/11 - LVM 3 -; vgl. ferner die Beiträge von Langheid/Müller-Frank, NJW 13, 2329; Hansen, VersR 15, 548; Schmid, Grundeigentum 13, 1038;

zu LS 1 vgl. a.A. Anm. 1.1 zu OLG Bamberg, 04.11.1992;

zu LS 4 - Korrespondenzpflicht des VU bejahend - vgl. OLG Celle, 10.06.2015 LS 4 - Thummet 1 -; OLG Nürnberg, 30.06.2015 LS 20 - Thummet 2 -; LG Bielefeld, 04.04.1990 LS 2; Zinnert, Recht und Praxis des Versicherungsmaklers 2008, S. 608; Müller-Stein, VersR 90, 561, 562; Koch, VersR 97, 1200, 1201; Keil, VW 95, 66; Baumann/Beenken/Sandkühler, Handbuch Maklermanagement, 2.A., Ziff. 2.3.3., S. 108; verneinend dagegen Evers/Friele, VW 09, 199; ebenso verneinend im Verhältnis zum VM, OLG München, 20.02.2014 LS 2;

zu LS 5 vgl. a.A. Anm. 1.1 zu OLG Bamberg, 04.11.1992;

zu LS 7 vgl. OLG Celle, 10.06.2015 LS 4 - Thummet 1 -;

zu LS 14 vgl. Bruck/Möller/Schwintowski, VVG, 9.A., § 59 Rz. 122;

zu LS 16 vgl. OLG Hamm, 24.11.2004 LS 10 m.w.N., 11 - Continentale 2 -;

zu LS 22 vgl. LG Wuppertal, 03.03.2017 LS 10 - Barmenia -; so soll eine Unzumutbarkeit schon dann vorliegen, wenn die Vollmacht auf die Vornahme eines Tarifwechsels beschränkt ist, BGH, 21.01.2016 LS 9 - Inter -; OLG München, 20.02.2014 LS 8 - Inter -;

zu LS 30 vgl. aber Evers/Friele, VW 09, 199;

zu LS 31 vgl. OLG Nürnberg, 30.06.2015 LS 17 - Thummet 2 -;

zu LS 32 vgl. Halm/Engelbrecht/Krahe/Wandt, Versicherungsrecht, 5.A., Kap. 1 Rz. 283;

32.1 Die Ansicht, die Beratungspflicht des Versicherers bestehe ungeachtet einer späteren Beauftragung des Maklers bei einem ursprünglich nicht durch einen VM vermittelten Versicherungsvertrag fort (zustimmend Rausch/Fleck/Becker, Der unabhängige Versicherungsmakler, E Rz. 53), erscheint in Ansehung des Wortlauts der Bestimmung keineswegs zwingend. In der Vorschrift des § 6 Abs. 6 VVG heißt es, "wenn der Vertrag mit dem VN von einem VM vermittelt wird". Dies lässt sich ohne weiteres auch dahingehend verstehen, dass eine Vermittlung durch einen VM auch dann vorliegt, wenn der VM sich auf einen bestehenden Versicherungsvertrag legitimiert.

32.2 Auch Sinn und Zweck der Norm des § 6 Abs. 4 VVG gebieten es keinesfalls, eine ungeachtet eines Maklereinbruchs in die Kundenverbindung fortbestehende Pflicht des Versicherers zur vertragsbegleitenden Beratung anzunehmen. Denn auch dem a priori sachkundigen VM obliegt aus dem VMV die Pflicht, den Kunden vertragsbegleitend zu beraten. Unter diesen Umständen fragt sich, welchen Sinn es ergeben soll, die vertragsbegleitende Beratungspflicht des Versicherers fortbestehen zu lassen.

32.3 Mit dem Argument, der VM sei nicht Erfüllungsgehilfe des VU, weshalb der VM das VU nicht entlasten könne, kann das Fortbestehen der Beratungspflicht nicht gerechtfertigt werden (a.A. Rausch/Fleck/Becker, Der unabhängige Versicherungsmakler, E Rz. 53). Es geht nämlich nicht darum, ob der VM die Pflicht des VU übernimmt, sondern darum, dass es dem durch einen VM vertretenen VN schlichtweg an der Schutzwürdigkeit fehlt. Welchen Sinn ergibt es, einem sachkundig vertretenen VN, dem der VM zur laufenden Beratung und Betreuung in seinen Versicherungsangelegenheiten verpflichtet ist, flankierend noch die vertragsbegleichtende Beratungspflicht des VU aufzubrürden? Es wäre zudem wertungswidersprüchlich, einem VN, der durch einen VM beraten wird, schlechter zu stellen als einen VN, der den Versicherungsvertrag im Fernabsatz abgeschlossen hat.