BGH, Urteil, 10.02.2010 - VIII ZR 53/09 - EversOK



Fundstellen
EversOK; VW 10, 590 (Evers); VersR 10, 480; IHR 10, 260; WM 10, 669; NJW 10, 2509; r + s 10, 394; IBRRS 10, 0722; LMK 10, 308401 m.Anm. Möller; MDR 10, 580; CR 10, 332; VuR 10, 198 LS; BB 10, 582 LS; EBE/BGH 2010, BGH-Ls 225/10; DSB 10, 19 LS; ZGS 10, 151 LS; RDV 10, 126; RÜ 10, 210 m. Anm. Alpmann; Juris; BeckRS 10, 4932; Lexetius; IWW; openJur; BGH; Rechtsprechung-im-Internet; prinz.law; nwb; FIS; Wolters Kluwer; rewis
Gesetz
§ 134 BGB; § 402 BGB; § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB
Stichworte
- Stuttgarter 10 -; Nichtigkeit der Abtretung eines Anspruchs auf Buchauszug; Abtretung; Wirksamkeit; Provisionsansprüche eines VV; Provisionsanspruch; Nichtigkeit des Abtretungsvertrages; Abtretungsvertrag; Abtretung von Provisionsforderungen; Privatgeheimnis; Bestehen eines Versicherungsvertrages
Anmerkung
Vorinstanzen OLG Stuttgart, 03.02.2009 - 1 U 107/08 -; LG Stuttgart, 19.05.2008 - 14 O 548/07 -; zu der Entscheidung vgl. Mühlenfeld, jurisPR-StrafR 7/2010 Anm. 4;

zu LS 6 vgl. etwa LK-StGB/Schünemann, 11.A., § 203 Rz. 70; SK-StGB/Hoyer, § 203 Rz. 46;

zu LS 7 vgl. MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 40; Fischer, StGB, 57.A., § 203 Rz. 18; Lackner/Kühl/Heger, StGB, 29.A., § 203 Rz. 6; Schönke/Schröder/Eisele, StGB, 30.A., § 203 Rz. 69; Rein, VersR 76, 117, 118 f.;

zu LS 9 vgl. Entwurf eines StGB - E 1962 mit Begründung, Bundestagsvorlage, BT-Drs. IV/650, S. 42, 336 f.; Rein, VersR 76, 117, 118;

zu LS 11 vgl. BT-Drs. VII/550, S. 21, 238;

zu LS 12 vgl. BT-Drs. VII/550, S. 472, 473; vgl. ferner Rein, VersR 76, 117, 118; Ayasse, VersR 87, 536 f.;

zu LS 13 vgl. BT-Drs. VII/550, S. 495; BT-Drs. VII/1261, S. 16;

zu LS 14 vgl. MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 40; Fischer, StGB, 57.A., § 203 Rz. 18; Schönke/Schröder/Eisele, StGB, 30.A., § 203 Rz. 69;

14.1 Nach dieser Definition sind auch VM als Angehörige des VU anzusehen. Denn sie bezieht alle "Mitarbeiter" eines Versicherers in den Kreis der Geheimnisträger mit ein, die mit der Anbahnung, Abwicklung oder Verwaltung von Versicherungsverträgen betraut sind (BGH, 10.02.2010 LS 15 - Stuttgarter 10 -). Bezogen auf die Zuführung von Geschäft kooperiert der VM mit dem Versicherer. Denn dieser hat ihm mit der Courtagezusage das Recht erteilt, seine Tarife anzubieten. Es kommt hinzu, dass der VM im Doppelrechtsverhältnis steht (BGH, 19.10.1994 LS m.w.N.). Der von der Norm des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB angestrebte Zweck, die Individualsphäre des Betroffenen in Ansehung der von diesem regelmäßig offenbarten Gesundheitsdaten (BGH, 10.02.2010 LS 6 - Stuttgarter 10 -) umfassend zu schützen BGH, 10.02.2010 LS 14 - Stuttgarter 10 -), gebietet eine funktionale Betrachtung. Daher kann es nicht entscheidend sein, von wem die Betrauung mit der Vermittlung oder dem Abschluss des Geschäfts ausgeht. Ebenso wenig kann es darauf ankommen, wem das Verhalten des VM zuzurechnen ist. Entscheidend ist allein, dass der Makler in seiner Funktion als Absatzmittler bei der Anbahnung, Abwicklung oder Verwaltung von Lebens-, Kranken- und Unfallversicherungen mit den fraglichen Privatgeheimnissen in Berührung kommt.

14.2 Soweit demgegenüber eine Strafbarkeit wegen der Verletzung von Privatgeheimnissen nach Maßgabe der Vorschrift des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB für den VM nach bisher wohl herrschender Meinung verneint wird (OLG Koblenz, 14.10.2011 LS 5 m.w.N. - Atlanticlux 27 -; vgl. aber OLG Bremen, 28.04.2017 LS 6 - Volkswohl Bund 3 - Anwendbarkeit auf einen VM, der mit einem VU auf Grund eines vor 2007 geschlossenen Mehrfachvertretervertrages verbunden ist), sofern ein VV nicht als Scheinmakler auftritt (vgl. dazu MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 40; Schüll, Die Strafbarkeit von Versicherungsnehmer und Versicherungsvermittler nach dem StGB, S. 211, 212; Doth/Laas, VW 09, 140; Wesselhöft, Datenschutz im Versicherungswesen, S. 212; Köpke, Die Bedeutung des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB für Private Krankenversicherer, insbeondere bei der innerorganisatorischen Geheimnisweitergabe 2003, S. 27 ff., 29), steht dies jedenfalls mit den Grundsätzen dieser Entscheidung nicht in Einklang.

zu LS 15 vgl. etwa LK-StGB/Schünemann, 11.A., § 203 Rz. 70; SK-StGB/Hoyer, § 203 Rz. 46; Satzger/Schmitt/Widmaier/Bosch, StGB 2009, § 203 Rz. 17;

zu LS 16 vgl. LK-StGB/Schünemann, 11.A., § 203 Rz. 70; SK-StGB/Hoyer, § 203 Rz. 46; MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 40; Lackner/Kühl/Heger, StGB, 29.A., § 203 Rz. 6; Schönke/Schröder/Eisele, StGB, 30.A., § 203 Rz. 69; NK-Kargl, StGB, 3.A., § 203 Rz. 36; Rein, VersR 76, 117, 118 f.; Ayasse, VersR 87, 536, 537; Köpke, Die Bedeutung des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB für private Krankenversicherer, insbesondere bei der innerorganisatorischen Geheimnisweitergabe 2003, S. 27; a.A. Evers/Eikelmann, VW 09, 529;

zu LS 19 - § 203 StGB als Verlängerung des ärztlichen Berufsgeheimnisses - vgl. LK-StGB/Schünemann, 11.A., § 203 Rz. 70; SK-StGB/Hoyer, § 203 Rz. 46;

zu LS 21 vgl. LK-StGB/Schünemann, 11.A., § 203 Rz. 29; Fischer, StGB, 57.A., § 203 Rz. 6; MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 25; Rein, VersR 76, 117, 120; Frels, VersR 76, 511, 512; Ayasse, VersR 87, 536, 537; Köpke, Die Bedeutung des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB für private Krankenversicherer, insbesondere bei der innerorganisatorischen Geheimnisweitergabe 2003, S. 32; Hegmanns/Niehaus, NStZ 08, 57;

zu LS 22 vgl. MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 25; Rein, VersR 76, 117, 120; Ayasse, VersR 87, 536, 537; Köpke, Die Bedeutung des § 203 Abs. 1 Nr. 6 StGB für private Krankenversicherer, insbesondere bei der innerorganisatorischen Geheimnisweitergabe 2003, S. 32; Hilgendorf, Informationsstrafrecht und Rechtsinformatik 2004, Strafrechtliche Probleme beim Outsourcing von Versicherungsdaten, S. 81, 89; Sieber, FS Eser, 2005, S. 1155, 1159;

zu LS 23 vgl. a.A. Evers/Eikelmann, VW 09, 529;

zu LS 22 vgl. MünchKommStGB/Cierniak/Niehaus, 3.A., § 203 Rz. 40; Lackner/Kühl/Heger, StGB, 29.A., § 203 Rz. 6; NK-Kargl, StGB, 3.A. § 203 Rz. 28