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OLG Brandenburg, 09.07.2009 - 12 U 254/08 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGBB:2009:0709.12U254.08.0A
Gesetz
§ 87 a HGB; § 87 a Abs. 2, 2. HS HGB; § 87 c HGB; § 87 c Abs. 1 HGB; § 87 c Abs. 2 HGB; § 92 HGB; § 92 Abs. 2 HGB; § 128 HGB; § 812 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. BGB; § 138 Abs. 4 ZPO
Stichworte
Nachbearbeitungsgrundsätze; Nachbearbeitungspflicht; Nachbearbeitung notleidender Versicherverträge; Stornogefahrmitteilung; Rechtzeitigkeit zu verneinen bei zeitgleicher Stornobuchung; Entbehrlichkeit bei Störung von Verträgen von Verwandten oder Familienangehörigen des VV; Passivlegitimation für die Rückforderung von Provisionsvorschüssen; Gesellschafter einer VV-GbR; VV-oHG; Anspruch auf Abrechnung; Anspruch auf Buchauszug; Zurückbehaltungsrecht des HV
Anmerkung


Vorinstanz LG Cottbus, 01.10.2008 - 4 O 26/06 -; der Senat hat die Revision nicht zugelassen. Gründe, die die Zulassung gemäß § 543 Abs. 2 ZPO rechtfertigen würden, seien nicht gegeben. Der Senat weiche insbesondere weder von den in der Entscheidung des BGH vom 25.05.2005 genannten Anforderungen an den Versicherer im Rahmen der Nachbearbeitung von Verträgen ab, noch bedürfe es im Hinblick auf die Entscheidung des OLG Frankfurt/Main vom 20.11.1989 einer höchstrichterlichen Entscheidung. Die zwischenzeitlich ergangene höchstrichterliche und obergerichtliche Rechtsprechung, der der Senat folge, sehe vielmehr einhellig ein einfaches typisiertes Mahnschreiben im Rahmen der Nachbearbeitungsobliegenheit des Versicherers nicht als ausreichend an.

zu LS 3 vgl. Palandt/Sprau, BGB, 68.A., § 714 Rz. 11;

zu LS 7 vgl. Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 87 c Rz. 10; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 87 c Rz. 10;

zu LS 8 8.1 Eine Pflicht des U zur Erstellung einer Schlussabrechnung ist dem Gesetz zwar nicht zu entnehmen (Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 87 c Rz. 10; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 87 c Rz. 10; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 c Rz. 30; a.A. wohl Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 87 c Rz. 5).

8.2 Die Abrechnung ist aber so vorzunehmen, dass nach dem Rechtsgedanken der Vorschrift des § 614 BGB über alle i.S. des 87 a Abs. 1 Satz 1 HGB unbedingt gewordenen Provisionsansprüche abzurechnen ist (OLG München, 11.07.1958 LS 1 m.w.N.).

zu LS 10 - Beweislastverteilung - vgl. Palandt/Sprau, BGB, 68.A., § 814 Rz. 11;

zu LS 12 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 27;

zu LS 13 vgl. BAG, 25.10.1967 LS 25 m.w.N.; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 28;

vgl. weiterghend OLG Hamm, 12.05.1980 LS 5 m.w.N. (Pflicht zur Überlassung von Stornogefahrmitteilungen);

zu LS 14 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 29;

zu LS 15 vgl. OLG Brandenburg, 05.03.2008 LS 7;

15.1 Obwohl der U kraft der zwingenden Vorschrift des § 86 a Abs. 2 Satz 2, 2. HS, 92 Abs. 2 HGB verpflichtet ist, den VV von der Stornogefahr zu unterrichten (vgl. OLG Hamm, 12.05.1980 LS 5 m.w.N.; sowie Anm. 5.1 zu OLG Hamm, 12.05.1980) und nicht ersthaft in Zweifel gezogen werden kann, dass es sich bei einer Störung des vermittelten oder betreuten Versicherungsvertragsverhältnis um eine erforderliche Nachricht handelt, ist gleichwohl umstritten, ob der U dem VV während der Laufzeit des VVV eine Stornogefahrmitteilung zukommen lassen muss (vgl. dazu auch BGH, 25.05.2005 LS 7 m.w.N.; OLG Schleswig, 24.04.1984 LS 5).

15.2 Teilweise wird davon ausgegangen, dass es sich bei der Überlassung von Stornogefahrmitteilungen weder um eine Pflicht handelt, noch gar um eine Obliegenheit (vgl. BGH, 25.05.2005 LS 12; a.A. OLG Hamm, 12.05.1980 LS 5 m.w.N. (Pflicht zur Überlassung von Stornogefahrmitteilungen);

zur Nachbearbeitungsmöglichkeit durch VU - vgl BGH, 25.05.2005 LS 1; LS 10; OLG Brandenburg, 05.03.2008 LS 7; vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20;

zu LS 16 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 52;

zu LS 18 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 52; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 30;

zu LS 19 vgl. OLG Düsseldorf, 13.01.2017 LS 39 m.w.N. - DVAG 51 -;

zu LS 20 - persönliche Nachbearbeitung erforderlich - vgl. OLG Celle, 16.07.1998 LS 10 - AWD 23 -; OLG Düsseldorf, 13.01.2017 LS 41 - DVAG 51 -; 15.12.2000 LS 19 - ARAG 2 -; LG Memmingen, 27.01.1999 LS 21; vgl. auch OLG Düsseldorf, 15.12.2000 LS 19 - ARAG 2 -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 52; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 30; einschränkend OLG Frankfurt/Main, 03.12.2010 LS 18 - AVB 2 -; a.A. OLG Frankfurt/Main, 10.07.1980 LS 16; Erfordernis einer persönlichen Nachbarbeitung offenlassend BGH, 01.12.2010 LS 20;

zu LS 21 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 52;

zu LS 23 vgl. OLG Düsseldorf, 27.05.2016 LS 52 m.w.N. - Fonds Finanz –; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 24; - Wegfall der Nachbearbeitungsobliegenheit bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden - vgl. OLG Frankfurt/Main, 18.04.1997 LS 14 - Mannheimer -;

zu LS 24 vgl. OLG Düsseldorf, 27.05.2016 LS 51 m.w.N. - Fonds Finanz -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 22;

zu LS 25 vgl. OLG Köln, 13.11.2014 LS 25;

zu LS 26 - Rechtzeitigkeit der Stornogefahrmitteilung - vgl. BGH, 19.11.1982 LS 22 m.w.N. - Deutscher Herold 1 -; OLG Hamm, 12.05.1980 LS 7 m.w.N.; OLG Frankfurt/Main, 21.05.1999 LS 10; AG Obernburg, 09.10.1997 LS 14;

zu LS 30 - Unzulässigkeit des einfachen Betreitens - vgl. OLG Köln, 12.01.2001 LS 3 m.w.N.;

zu LS 35 35.1 § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB gelangt im Falle der Beitragsfreistellung nicht zur Anwendung (vgl. dazu Anm. 21.2 ff. zu OLG Brandenburg, 20.05.2009). Maßgeblich hierfür ist der Umstand, dass ein Provisionsanspruch des VV in diesen Fällen nach § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB grundsätzlich nicht gegeben ist.

35.2 Für die Anwendung der Nachbearbeitungsgrundsätze ist kein Raum, weil es
bei der Beitragsfreistellung an einer abweichenden Ausführung des Geschäfts i.S. des § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB fehlt (vgl. Anm. 21.1.2 zu OLG Brandenburg, 20.05.2009).

35.3 Im Falle der Beitragsfreistellung ist für die Anwendung der Nachbearbeitungsgrundsätze allenfalls dann Raum, wenn der VN nicht eindeutig und klar von dem Recht auf Umwandlung der Versicherung Gebrauch gemacht haben sollte (vgl. Anm. 21.2.4
zu OLG Brandenburg, 20.05.2009). Dazu wird die Bitte um Beitragsfreistellung zählen, wenn sie nicht zweifelsfrei die Ausübung des Gestaltungsrechts erkennen lässt.

zu LS 36 vgl. auch OLG Brandenburg, 20.05.2009 LS 21 m.w.N.