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OLG Hamm, 12.05.1980 - 18 U 121/78 - (Urteil)

Fundstellen
EversOK*
Gesetz
§ 86 a Abs. 2 HGB; § 86 a Abs. 2 Satz 1 HGB; § 87 a Abs. 2 HGB; § 88 HGB; § 92 Abs. 2 HGB; § 352 HGB; § 353 HGB
Stichworte
Nachbearbeitungspflicht; Nachbearbeitungsgrundsätze; Rückforderung unverdienter Provisionsvorschüsse; abstrakter Provisionsvorschuss; konkreter Provisionsvorschuss; Vorschuss; Rechtsgrundlage der Stornogefahrmitteilung; Störfallmitteilung; Rechtsgrund; Schadensersatzanspruch wegen unterlassener Stornogefahrmitteilung; Pflichtverletzung; Verpflichtung zum Einklagen der Erstprämie; Prämienklage; Lebensversicherung; Darlegungs- und Beweislast; Rückforderung nicht ins Verdienen gebrachter Provisionsvorschüsse; Provisionsvorschuss; stillschweigender Ausschluss der Verzinsung
Anmerkung
zu LS 1 vgl. OLG Naumburg, 17.04.1997 LS 6 - AWD 2 -; vgl. aber OLG Frankfurt/Main, 26.04.1989 LS 2 m.w.N.;

zu LS 2 vgl. BAG, 25.10.1967 LS 25 m.w.N.;

zu LS 3 vgl. OLG Frankfurt/Main, 10.07.1980 LS 1 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. OLG Brandenburg, 14.03.2007 LS 9 - DVAG 16 -; OLG Köln, 18.05.1977 LS 10; LAG Hamm, 17.09.1980 LS 4; LAG Nürnberg, 26.01.1999 LS 75 - Hamburg-Mannheimer 4 -; Anm. 1.7 zu OLG Celle, 28.12.2000 - AWD 30 -; OLG Frankfurt/Main, 21.05.1999 LS 11; LG Duisburg, 17.09.1997 LS 19; LG Mainz, 08.09.1999 LS 3; LG Baden-Baden, 19.12.1980 LS 6; Giesler/Nauschütt, Praxishandbuch Vertriebsrecht Rz.1321; Zinnert, der Versicherungsvertreter, S. 139 (§ 86 a Abs. 2 Satz 1 und 2 HGB); vgl. aber auch BGH, 12.11.1987 LS 3; 19.11.1982 LS 12, 13 - Deutscher Herold 1 -; OLG Brandenburg, 20.05.2009 LS 4; OLG Düsseldorf, 21.02.2007 LS 5 m.w.N. (§ 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB und § 242 BGB als Grundlage der Pflicht des U); unklar Staub/Emde, HGB, 5.A., § 92 Rz. 17, der einerseits § 86 a Abs. 2 Satz 1 HGB für einschlägig hält, andererseits aber von einer Obliegenheit des VU spricht; ebenso als Obliegenheit qualifizierend LG Hildesheim, 08.03.1979 LS 2; a.A. sowohl eine Pflicht als auch eine Obliegenheit zur Überlassung von Stornogefahrmitteilungen verneinend BGH, 25.05.2005 - VIII ZR 237/04 - LS 11; - VIII ZR 279/04 - LS 12; ihm folgend MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 32; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20; Benkel/Hirschberg, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung, 2.A., § 6 Rz. 178; Mecklenbrauck, VersR 06, 1157, 1159ff.; vgl. aber auch OLG Frankfurt/Main, 15.12.1995 LS 5 (§ 242 BGB); AG Dresden, 15.03.2005 LS 9 - Stuttgarter 2 - (§ 87 a Abs. 2 HGB); a.A. BGH, 28.06.2012 LS 10 (Treuepflicht des U);

5.1 Die Pflicht des U zur Überlassung von Stornogefahrmitteilungen an den VV wegen der vom VV vermittelten notleidenden Versicherungsverträge beruht auf § 86 a Abs. 2 Satz 2, 2. HS, 92 Abs. 2 HGB. Danach hat der U dem HV unverzüglich die Nichtausführung eines vom HV vermittelten Geschäfts mitzuteilen. § 86 a Abs. 2 HGB ist gemäß § 92 Abs. 2 HGB im Verhältnis des U zum VV anwendbar. Unter einer Nichtausführung des Geschäfts ist zu verstehen, dass das Geschäft vollständig oder nur teilweise nicht ausgeführt wird (Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 86 a Rz. 13; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 107; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 46; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 a Rz. 22; Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 86 a Rz. 10; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A. § 86 a Rz. 9 a.E.; Küstner/v. Manteuffel, BB 90, 291, 295). Würde die teilweise Nichtausführung des Geschäfts von der Informationspflicht ausgenommen, wäre der HV unzureichend geschützt (Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 86 a Rz. 13). Dem Wortlaut nach besteht die Unterrichtungspflicht allgemein für den Fall der Nichtausführung der auf Vermittlung des HV geschlossenen (Flohr/Wauschkuhn/Teichmann, Vertriebsrecht, 2.A., § 86 a, HGB, Rz. 27) Kundengeschäfte (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 46). Demgemäß ist die dem Schutz des HV dienende Unterrichtungspflicht weit zu fassen (Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 107). Sie ist also unabhängig davon, ob der U das Geschäft nicht ausführt oder der Dritte (a.A. offenbar Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 86 a Rz. 13: Nichtausführung durch den U) und durch wen der U von der Nichtausführung in Kenntnis gesetzt worden ist (Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 107). Denn nur so kann die Unterrichtungspflicht ihrem Zweck gerecht werden, dem HV zu ermöglichen, sich um den Erhalt eines von der Stornierung gefährdeten Geschäfts zu bemühen (vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 46). Unter notleidenden und daher stornogefährdeten Versicherungsverträgen versteht man Versicherungen, die von den VN nicht mehr den geschuldeten Prämien oder Beiträgen bedient werden, es geht es also stets um die vollständige oder teilweise Nichtausführung geschlossener Versicherungsverträge durch den Dritten. Die vom U geschuldete Mitteilung über die Nichtausführung muss unverzüglich, d.h. i.S. des § 121 BGB ohne schuldhaftes Zögern erfolgen (Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 86 a Rz. 10; Flohr/Wauschkuhn/Teichmann, Vertriebsrecht, 2.A., § 86 a, HGB, Rz. 28; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 a Rz. 23; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 86 a Rz. 16; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A. § 86 a Rz. 10; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 104 i.V.m. 105). Bei diesen Gegebenheiten ist kein Raum für die Annahme, eine Unterrichtung vier bis sechs Wochen nach Eintritt der Vertragsstörung sei noch unverzüglich (vgl. dazu aber LS 7 dieser Entscheidung nebst der dazugehörigen Anm.).

5.2 Bei AN soll sich die Pflicht zur Überlassung von Stornogefahrmitteilungen aus dem Gesichtspunkt der Fürsorgepflicht des AG ergeben (vgl. LAG Rheinland-Pfalz, 18.05.1979 LS 2). Richtigerweise wird man hier jedoch die Vorschrift des § 86 a Abs. 2 HGB analog anzuwenden haben. Insoweit liegt eine Regelungslücke vor. Der Gesetzgeber hat die Bedeutung der Norm des § 86 a HGB für die Sicherung der Provisionsansprüche (vgl. dazu Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A. § 86 a Rz. 9; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 a Rz. 19; a.A. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 48: nur Schutz vor nutzlosem Arbeitseinsatz, was aber die Unterrichtungspflicht über die Nichtausführung eines abgeschlossenen Geschäfts gerade nicht zu erklären vermag) offenkundig nicht erkannt und die Verweisungsregelung des § 65 HGB demgemäß zu eng ausgestaltet ist. Ebenso hat er bei der 1989 erfolgten Erweiterung der Unterrichtungspflicht des § 86 a Abs. 2 Satz 2 HGB im Zuge des Durchführungsgesetzes zur Umsetzung der RiLi zur Harmonisierung des Rechts der Handelsvertreter in den EU-Mitgliedstaaten (vgl. nur Staub/Emde, HGB, 5. A., § 86 a Rz. 105) die Notwendigkeit der Erweiterung der Norm des § 65 HGB übersehen.

zu LS
7 vgl. Anm. 15.2 zu OLG Saarbrücken, 23.05.2001; OLG Frankfurt/Main, 21.05.1999 LS 30 (zwei Monate); OLG Celle, 28.06.2001 LS 11 - AWD 32 - (zwei Monate an den im Strukturvertrieb tätigen Untervermittler); weitergehend OLG Frankfurt/Main, 15.12.1995 LS 12 (ein Monat); wohl auch OLG Köln, 13.11.2014 LS 20 (ein Monat jedenfalls noch unverzüglich); weitergehend BGH, 28.06.2012 LS 1, 2, 10 ff. (unverzüglich mit angemessener Prüfungs- und Überlegungsfrist); OLG Zweibrücken, 24.05.2011 LS 13; 21.03.1995 LS 10 (unverzüglich); ArbG Stuttgart, 12.07.2018 LS 45 - OVB 30 - (zwei Wochen nach der Manifestation des Störfalls); OLG Hamm, 21.09.1999 LS 33 (12 Tage nach dem ersten Mahnschreiben des VU); unklar OLG Köln, 18.05.1977 LS 10 (rechtzeitig); ebenso OLG Karlsruhe, 03.03.1988 LS 8; und das sich diese Auffassung zu eigen machende OLG Saarbrücken, 28.05.1991 LS 23; vgl. dazu auch die Anm. 12.1 f. zu OLG Frankfurt/Main, 15.12.1995; vgl. aber auch LG Göttingen, 23.01.2001 LS 6, das in einem Sonderfall die Rechtzeitigkeit der Stornogefahrmitteilung auch noch zweieinhalb Monate nach Eintritt der Vertragsstörung bejahte; rechtzeitig erfolgt die Stornogefahrmitteilung jedenfalls dann nicht mehr, wenn der VV zeitgleich mit der Stornogefahrmitteilung darüber unterrichtet wird, dass der Versicherungsvertrag storniert worden ist (OLG Brandenburg, 09.07.2009 LS 26);

vgl. dazu auch BGH, 21.03.2001 LS 40 m.w.N. - Axa Colonia 1 -;

zu LS 9 vgl. LAG Schleswig, 15.10.1986 LS 6; LG Frankfurt/Oder, 29.03.2011 LS 22; LG Duisburg, 17.09.1997 LS 20; LG Fulda, 06.02.1996 LS 4; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 a Rzz. 37 f.; vgl. aber OLG Köln, 22.05.1980 LS 13 - Bonnfinanz 2 -;

zu LS 10 vgl. aber OLG Köln, 18.05.1977 LS 3 m.w.N.;

zu LS 11 vgl. OLG Zweibrücken, 21.03.1995 LS 11;

zu LS 12 vgl. LAG Hamm, 17.09.1980 LS 8;

zu LS 17 vgl. LG München I, 14.07.2009 LS 8 - Basler -; Stein-Jonas ZPO 19.A., § 138 Anm. II 5; Zöller/Greger, 27.A. § 138 Rz. 14; vgl. aber BGH, 10.10.1994 LS 3;

Nach Maßgabe der Vorschrift des § 138 Abs. 4 ZPO ist ein pauschales Bestreiten nur zulässig, wenn die Partei zumutbaren Nachforschungen nachgekommen ist (vgl. Ambs, Bestreiten m. Nichtwissen, 7. Kap., insb. III; Stürner, Die Aufklärungspflicht der Parteien des Zivilprozesses, S. 155 ff.; Lange, NJW 90, 3233).