OLG Köln, Urteil, 07.05.2004 - 9 U 105/03 - EversOK



ECLI
ECLI:DE:OLGK:2004:0507.9U105.03.00
Gesetz
§ 280 BGB; § 276 BGB
Stichworte
Haftung des VM; Darlegungs- und Beweislast für objektive Pflichtverletzung des VM; substantiiertes Bestreiten; Pflichten des VM; Sachwalter; Beratungspflicht des VM bei der Anbahnung des VMV; Verschulden bei Vertragsschluss
Anmerkung


Vorinstanz LG Köln, 16.05.2003 - 89 O 150/02 -;

zu LS 1 vgl. BGH, 10.03.2016 LS 18, 19, 20, 22, 36, 37, 38, 39 - Eiffe & Moos -; Römer/Langheid, VVG, 2.A. § 43 Rz. 10; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 26.A. Anh. zu §§ 43-48 Rzz. 4 ff.; Benkel/Reusch, VersR 92, 1302, 1311;

zu LS 2 vgl. BGH, 10.03.2016 LS 36, 37, 38, 39 - Eiffe & Moos -;

zu LS 3 vgl. OLG Düsseldorf, 30.04.1999 LS 4.m.w.N.;

zu LS 4 vgl. OLG Brandenburg, 23.10.2012 LS 11; OLG Dresden, 21.02.2017 LS 16; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 29.A., § 59 Rz. 74; vgl. dazu auch BGH, 10.03.2016 LS 37, 38 - Eiffe & Moos -;

4.1 Ein entsprechender Beratungsanlass zum Bestehen von Deckungslücken ist jedenfalls dann anzunehmen, wenn der VN Beratung wünscht (OLG Düsseldorf, 10.11.1995 LS 11) oder für den VM erkennbar wird, dass der VN das Objekt so gut wie möglich versichert haben will (vgl. OLG Hamm, 23.08.2000 LS 3). Aber auch dann, wenn der Versicherungsschutz ausläuft (OLG Brandenburg, 19.03.2014 LS 6) und allgemein bei der Umdeckung einer Versicherung (OLG Hamm, 01.03.2012 LS 6) ist ein Anlass anzunehmen, den Kunden zu Deckungslücken zu beraten und Möglichkeiten aufzuzeigen, diese zu schließen. Dies gilt selbst dann, wenn der VM nach dem VMV ausnahmsweise keine Vertragsüberwachung schuldet (OLG Frankfurt/Main, 05.07.2006 LS 13).

4.2 Die Pflicht des VM, den VN auf Deckungslücken hinzuweisen, kann entstehen, wenn die Deckungslücke offenkundig wird (vgl. OLG Saarbrücken, 19.10.2011 LS 19), der VM sie also erkennen kann, so dass für ihn ein Beratungsanlass offenbar wird (vgl. OLG Karlsruhe, 15.01.2013 LS 6). Dies ist etwa dann der Fall, wenn es sich um eine Deckungslücke infolge einer Änderung der Rechtslage handelt (OLG Hamm, 11.05.1995 LS 3), der AVB oder allgemein bekannter Veränderungen in der Branche des VN, wie etwa neu entwickelter und sich prämienreduzierend auswirkender Schadenverhütungsmaßnahmen (Beckmann/Matusche-Beckmann, VersR-HdB, 3.A., § 5 Rz. 315).

4.3 Für die Meldung der Veränderungen aus der Sphäre des VN, die etwa darin bestehen können, dass der VN neue Güter anschafft oder die sich werterhöhend auf versicherten Valoren, Kunstwerke oder Musikinstrumente auswirken, muss der VN den Makler unterrichten (Beckmann/Matusche-Beckmann, VersR-HdB, 3.A., § 5 Rz. 314). Insoweit kann dem VM allenfalls dann ein Vorwurf gemacht werden, wenn er diese Veränderung aus Anlass der Wahrnehmung eines Termins im Hause des VN innerhalb eines mit dem VN ausdrücklich verabredeten Jahresgesprächs oder Betreuungsintervalls trotz entsprechender Anhaltspunkte entweder nicht gesehen oder übersehen hat. Denn nach dem regelmäßigen Inhalt eines VMV ist nicht davon auszugehen, dass der VM zur Führung eines Jahresgesprächs mit dem Kunden oder gar zu einer jährlichen Bestandsaufnahme mit Besuch beim VN verpflichtet wäre (OLG Frankfurt/Main, 08.06.2016 LS 23). Dies soll selbst dann gelten, wenn der VM die Betreuung eines laufenden Versicherungsvertrages des VN übernimmt (OLG Frankfurt/Main, 08.06.2016 LS 22).

zu LS 8 vgl. OLG Brandenburg, 17.10.2007 LS 10; OLG Frankfurt/Main, 13.12.2007 LS 12 - Krankenversicherung 2 -; Oetker/Kotzian-Marggraf, HGB, 6.A., § 98 Rz. 6;

zu LS 10 vgl. Wandt, VersR 01, 583