EuGH, 26.03.2009 - C-348/07 - Urteil - EversOK



ECLI
ECLI:EU:C:2009:195
Fundstellen
Slg 09, I-2341; VW 09, 956 (Evers); DStR 09, 759; IHR 09, 212; EuZW 09, 304; BB 09, 1607 m. Anm. Eckhoff; EWiR 09, 239 m. Anm. Emde; EWS 09, 150; EzA Nr. 2 zu § 89 b HGB; BB 09, 729 LS; EzA-SD 09, 5 LS; VersRAI 09, 34 LS; PIStB 09, 235 LS m. Anm. Lühn/Siemers; ABl. EU 09, Nr. C 113, 8 LS; Juris; BeckRS 09, 70335; BeckEuRS 09, 495288; Lexetius; IWW; Judicialis; EuGH; EU-Kommission; nwb
Gesetz
Art. 17 RiLi 86/653/EWG; Art. 13 RiLi 86/653/EWG; Art. 14 RiLi 86/653/EWG; Art. 15 RiLi 86/653/EWG; Art. 19 RiLi 86/653/EWG; Art. 21 RiLi 86/653/EWG; Art. 22 RiLi 86/653/EWG
Stichworte
- Deutsche Tamoil -; - Turgay Semen -; AA des HV; dreistufiger Prüfungsaufbau; Provisionsverluste keine Anspruchsvoraussetzung; Unternehmervorteile; mittelbare Vorteile; vertreterfreundliche Auslegung
Anmerkung


Vorinstanz LG Hamburg, 18.06.2007;

zu der Entscheidung vgl. auch Emde, DStR 09, 1478; ders., BB 11, 2755; ders., ZVertriebsR 14, 218; Emde/Valdini, ZVertriebsR 16, 353; Evers, VW 09, 956; ders., VW 09, 1371; Christoph, NJW 10, 647; Semler, BB 09, 2327; Ströbl/Wentzel, BB 17, 390; Wetphal, DB 10, 1333; Korte, DB 11, 2716; Steinhauer, EuZW 09, 887; Bodnár, GPR 10, 94; Thume, IHR 09, 215; ders., IHR 11, 7; Genzow, IHR 14, 133; Schall, JZ 10, 392; Pauly, MDR 13, 694; Lühn, PISTB 09, 235; Lühn/Siemers, PISTB 10, 24; Koch, ZIP 11, 1752; Semler, ZVertriebsR 13, 137; Wauschkuhn, ZVertriebsR 14, 1; jurisPR-HaGesR 8/2009 Anm. 1 (Kuhn); sowie zur Systematik der Entschädigungsansprüche nach Art. 17 Handelsvertreterrichtlinie und den Grenzen des Handelsvertreterschutzes EuGH, 03.12.2015 - C-338/14 - und Anm. hierzu von Vásárhelyi, GPR 16, 185;

zu LS 1 vgl. OLG Oldenburg, 16.09.2010 LS 3 - ABV 1 -; OLG Düsseldorf, 28.03.2014 LS 32 - Arbeits- und Sicherheitsschuhe -;

Art. 17 RiLi 86/653/EWG hat den folgenden Wortlaut:

„(1) Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen dafür, dass der Handelsvertreter nach Beendigung des Vertragsverhältnisses Anspruch auf Ausgleich nach Absatz 2 oder Schadensersatz nach Absatz 3 hat.
(2) a) Der Handelsvertreter hat Anspruch auf einen Ausgleich, wenn und soweit
– er für den Unternehmer neue Kunden geworben oder die Geschäftsverbindungen mit vorhandenen Kunden wesentlich erweitert hat und der Unternehmer aus den Geschäften mit diesen Kunden noch erhebliche Vorteile zieht und
– die Zahlung eines solchen Ausgleichs unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere der dem Handelsvertreter aus Geschäften mit diesen Kunden entgehenden Provisionen, der Billigkeit entspricht. Die Mitgliedstaaten können vorsehen, dass zu diesen Umständen auch die Anwendung oder Nichtanwendung einer Wettbewerbsabrede im Sinne des Artikels 20 gehört.
b) Der Ausgleich darf einen Betrag nicht überschreiten, der einem jährlichen Ausgleich entspricht, der aus dem Jahresdurchschnittsbetrag der Vergütungen, die der Handelsvertreter während der letzten fünf Jahre erhalten hat, errechnet wird; ist der Vertrag vor weniger als fünf Jahren geschlossen worden, wird der Ausgleich nach dem Durchschnittsbetrag des entsprechenden Zeitraums ermittelt.
c) Die Gewährung dieses Ausgleichs schließt nicht das
Recht des Handelsvertreters aus, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.
…“

zu LS 2 vgl. BGH, 30.01.1986 LS 4 m.w.N.;

zu LS 13 vgl. BGH, 14.06.2006 Anm. zu LS 3 - Westfälische Provinzial 5 -; LG Passau, 11.01.2001 LS 32 - Erich Ammer -; vgl. auch OGH, 14.12.2000 LS 4;

zu LS 14 eine über die bloße Einschätzungsprärogative hinausgehende Korrekturfunktion misst Fock (Die europäische Handelsvertreter-Richtlinie, S. 237 ff., 243) der Billigkeitsprüfung nach Art. 17 Abs. 2 lit. a RiLi 86/653/EWG zu; Anm. 22.3 zu OLG Düsseldorf, 16.03.2001 - gardeur -; vgl. auch OGH, 14.12.2000 LS 4; vgl. Anm. 4 zu OLG Celle, 27.05.1999;

zu LS 15 vgl. BGH, 14.06.2006 Anm. zu LS 3 - Westfälische Provinzial 5 -;

Aus den LS 15 und 17 wird das Erfordernis einer handelsvertreterfreundlichen Auslegung hergeleitet (vgl. dazu Emde, DStR 09, 1478, 1479, Thume, IHR 09, 215, 216; Evers, VW 09, 1371, 1372). Danach ist stets die Auslegung vorzuziehen, die sich für den HV nich als nachteilig erweist. Dabei ist eine abstrakt-generelle Betrachtung in typischen Fallgestaltungen zugrundezulegen, also nicht nur auf den zur Entscheidung stehenden Einzelfall abzustellen. Die Auslegung muss zum einen nach der RiLi 86/653/EWG vertretbar sein. Bestehen verschiedene Deutungsmöglichkeiten ist die handelsvertreterfreundlichste Lesart zu wählen (EuGH, 26.03.2009 LS 15, 17 - Deutsche Tamoil -; Emde, DStR 09, 1478, 1479).

zu LS 17 vgl. dazu die Anm. zu LS 15; vgl. BGH, 16.06.2010 - VIII ZR 259/09 - LS 14;

zu LS 18 vgl. aber OGH, 20.02.2003 LS 5 - Unterhaltungselektronik -; Generalanwalt, 25.10.2005 Anm. 7.9 - Commerciali srl ./. De Zotti -; a.A. OLG Bremen, 16.12.1965 LS 3 m.w.N.;

zu LS 19 vgl. OLG Oldenburg, 16.09.2010 LS 3 - ABV 1 -; vgl. aber OGH, 20.10.2005 LS 4; 20.02.2003 LS 5 - Unterhaltungselektronik -; 14.12.2000 LS 4;

zu LS 26 Im Streitfall hatte die italienische Regierung vorgetragen, dass die Vergütungen, auch wenn der U einem Konzern angehört, stets ausschließlich vom U und nicht von den anderen Konzerngesellschaften bezahlt werden.