BGH, Urteil, 14.04.2005 - III ZR 252/04 - EversOK



Gesetz
§ 307 BGB; § 138 BGB; § 134 BGB; § 652 BGB; § 165 VVG; § 178 VVG; § 9 AGBG; § 3 AGBG
Stichworte
- Atlanticlux 5 -; Fortfall vereinbarter Abschlussprovision bei Kündigung einer Lebensversicherung mit Nettopolice; Nettotarif; überraschende Klausel; Honorarvereinbarung; VMV; Ausschluss der Beratungspflicht; Betreuungspflicht
Anmerkung
Vorinstanz LG Karlsruhe, 19.04.2004; zu der Entscheidungspraxis der Obergerichte vor den BGH Entscheidungen in den Atlanticlux-Fällen vgl. Loritz, VersR 04, 405;

zu LS 2 vgl. OLG Köln, 10.10.2006 LS 2; Anm. 1.6 m.w.N. zu OLG München, 19.11.1974; vgl. aber BFH, 21.10.1971 LS 5; a.A. OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 25 m.w.N. (§ 354 HGB);

zu LS 3 vgl. BGH, 20.01.2005 LS 5 - Atlanticlux 4 -; 20.01.2005 LS 3 - Atlanticlux 3 -; 14.04.2005 LS 3 - Atlanticlux 6 -; 14.04.2005 LS 3 - Atlanticlux 8 -; 14.04.2005 LS 3 - Atlanticlux 7 -; 25.03.1987 LS 17, 18; OLG Karlsruhe, 29.05.2007 LS 7; OLG Hamm, 08.10.2009 LS 5; 08.03.1996 LS 10; OLG Düsseldorf, 17.10.1972 LS 2; OLG Zweibrücken, 09.03.2005 LS 8; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 VVG Rz. 3; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 70; Evers/Friele, Maklerkompass 2014, S. 15, 163; a.A. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Reiner, HGB, 4.A., § 98 Rz. 30 (eine vertragsrechtliche Konstruktion des Rechtsverhältnisses des VM zum Versicherer annehmend);

3.1 Soweit die Rspr. an den konkludenten Abschluss eines VMV höhere Anforderungen stellt, weil durchschnittliche VN kaum zwischen einem VV und einem VM unterscheiden würden (vgl. OLG Saarbrücken, 20.03.2013 LS 6, 12; OLG Karlsruhe, 23.10.2001 LS 11), kann dies nur für Fälle gelten, in denen der Vermittler seiner Pflicht zur Überlassung der Erstinformation nicht nachgekommen ist. Aufgrund der seit 2007 Gesetz gewordenen Verpflichtung des Versicherungsvermittlers, den VN unter Überlassung der Vermittler-Erstinformation darüber zu informieren, ob er die Tätigkeit als VV oder VM ausübt, kann davon ausgegangen werden, dass auch dem durchschnittlichen VN bewusst ist, dass er einen VMV schließt, wenn er die Vermittlungsleistungen eines VM in Anspruch nimmt.

3.2 Fehlvorstellungen über das Zustandekommen eines VMV sind allenfalls insoweit denkbar, als der VM einen schriftlichen VMV vorlegt, der VN diesen noch nicht unterzeichnet, gleichwohl die Beratungsleistungen entgegen nimmt und es ein Versicherungsvertrag nicht geschlossen wird. In diesem Fall gehen Verbraucher durchaus schon einmal davon aus, dass ein VMV nicht zustande gekommen ist. Diese Auffassung ist allerdings rechtsirrig, weil die angebotene Vermittlungsleistung des VM angenommen worden ist.

zu LS 5 vgl. Honsell/Schwintowski, VVG, Vorbem. §§ 159-178 Rzz. 68 ff.;

zu LS 6 vgl. OLG München, 19.11.1974 LS 1 m.w.N.; LG Nürnberg-Fürth, 10.09.1999 LS 10 - FWU 1 -; LG Saarbrücken, 23.12.1999 LS 18 - FWU 2 -; Bruck/Möller, VVG, Bd. I, 8.A., vor §§ 43–48 Rz. 82; Honsell/Gruber, VVG, Anh. zu § 48 Rz. 18; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 VVG Rz. 35; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 125; zweifelnd Dehner, NJW 97, 18, 27;

zu LS 8 vgl. Loritz, VersR 04, 405, 408 ff.; a.A. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 VVG Rz. 42 a; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 84;

zu LS 12 Die vorformulierte "Vermittlungsgebührenvereinbarung” enthielt u.a. die nachstehenden Bestimmungen:

"1. Der HM wird vom Kunden beauftragt, ihm die nachfolgend gekennzeichneten Versicherungsverträge zu vermitteln. Er erhält vom Kunden für jeden vermittelten Versicherungsvertrag eine Vermittlungsgebühr. Der HM erhält vom jeweiligen Versicherungsunternehmen für die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages keine Vergütung.
2. Die vom HM zu erbringende Leistung ist auf die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages beschränkt. Eine über die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages hinausgehende Beratungs- oder Betreuungspflicht ist nicht Gegenstand dieser Vereinbarung und wird vom HM nicht geschuldet.

4. Der Anspruch des HM ggü. dem Kunden auf Zahlung der jeweiligen Vermittlungsgebühr in den ersten drei Versicherungsjahren … entsteht mit der Annahme des jeweiligen Versicherungsantrages durch das Versicherungsunternehmen, sofern der Kunde nicht nach den Bestimmungen des VVG dem jeweiligen Versicherungsvertrag widerspricht oder seinen Rücktritt vom jeweiligen Versicherungsvertrag erklärt oder seinen Antrag widerruft. Die Vermittlungsgebührenansprüche des HM … bleiben jedoch von einer Änderung oder vorzeitigen Beendigung des jeweiligen Versicherungsvertrages aus anderen Gründen unberührt.
5. Zur Sicherung der Ansprüche des HM auf Zahlung der jeweiligen Vermittlungsgebühr während der ersten drei Versicherungsjahre … tritt der Kunde seine gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüche auf Versicherungsleistungen aus dem jeweils vermittelten (Haupt-)Versicherungsvertrag … an den HM ab, der diese Abtretung annimmt."

zu LS 15 vgl. OLG Köln, 22.06.2004 LS 10 - Atlanticlux 22 -;

zu LS 20 vgl. Motive zum VVG, Nachdruck 1963, S. 224; Honsell/Schwintowski, VVG, § 165 Rz. 1;

zu LS 22 vgl. a.A. Loritz, VersR 04, 405 f., 409, 410;

zu LS 23 vgl. Bruck/Möller/Winter, VVG, Bd. V/2 Anm. G 399; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., vor § 159 Rz. 53; nunmehr Prölss/Martin/Schneider, VVG, 30.A., § vor 150 Rz. 83; Honsell/Schwintowski, VVG, Vor §§ 159-178 Rzz. 68 ff.;

zu LS 25 zur Anwendung der Vorschriften über die Provision des VV auf den Courtageanspruch des VM vgl. BFH, 21.10.1971 LS 5 m.w.N.; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 35; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 125;

zu LS 26 vgl. BGH, 27.01.1972 LS 3 m.w.N. - Aerosol -;

zu LS 28 vgl. BGH, 20.01.2005 LS 2, LS 30 m.w.N., NJW 05, 1357 = VersR 05, 406 - Atlanticlux 4 -;

zu LS 29 - Pflicht des VM zur dauerhaften Betreuung des VN - vgl. OLG Hamm, 19.06.2000 LS 4 m.w.N.;

- Pflicht zur umfassenden Betreuung aller Versicherungsinteressen des VN vgl. OLG Hamm, 19.06.2000 LS 4 m.w.N.;