BGH, Urteil, 21.05.2003 - VIII ZR 57/02 - EversOK



Fundstellen
EversOK; NJW 03, 3350; WM 03, 2110; VersR 03, 1253; BB 03, 1581; DB 03, 1568; EBE/BGH 03, 227; NZA 03, 920; r+s 03, 395; BGHR 03, 1010; MDR 03, 1122; BGHR AGBG § 9 Abs. 1 Handelsvertretervertrag 1; BGHR BetrAVG § 3 Abfindungsverbot 1; BGHR HGB § 89 b Abs. 4 S 1 Ausgleichsanspruch 1; WVK 2/04, 8; NJOZ 03, 1839; RdW 03, 527; EBE/BGH 03, BGH-Ls 529/03; FamRZ 03, 1458 LS; Rechtsportal; ibr; Juris; BeckRS 03, 5415; BGH; nwb; IWW; prinz.law; Lexetius; openJur; Judicialis; Wolters Kluwer
Gesetz
§ 3 BetrAVG; § 17 Abs. 1 Satz 2 BetrAVG; § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB; § 9 AGBG; § 3 AGBG
Stichworte
- Windhager 1 -; Wirksamkeit einer Klausel über den Verzicht einer Altersversorgung bei Geltendmachung des AA; Verzichtsklausel; Erklärungsfiktion; Anrechenbarkeit der Altersversorgung auf den AA; bedingte Versorgungszusage
Anmerkung
Vorinstanzen OLG Stuttgart; 12.02.2002 - 10 U 130/2001 -; LG Stuttgart, 15.06.2001 - 1 KfH O 167/00 -; vgl. zu der Entscheidung auch die Fortführung der Rechtsprechung durch BGH, 15.12.2016 - VII ZR 221/15 - Windhager 2 -; zur Anwendbarkeit des § 17 Abs. 1 Satz 2 BertrAVG auf den FN vgl. Timmermann, BB 12, 388;

zu LS 4 vgl. BGH, 18.03.1982 LS 3 m.w.N.; ErfKomm/Steinmeyer, 3.A., § 17 BetrAVG Rz. 9; Höfer, BetrAVG, Stand 2001, § 17 Rz. 3731; Küstner, BB 76, 1485 f.;

zu LS 7 vgl. LG München I, 08.12.2008 LS 19 - Allianz 14 -; a.A. Evers/Kiene, ZfV 01, 765, 775;

zu LS 9 vgl. Höfer, BetrAVG, Allgemeiner Rechtlicher Teil Rz. 34;

Eine Versorgungszusage, die den Versorgungsanspruch von der auflösenden Bedingung abhängig macht, dass der HV auf die Geltendmachung des AA verzichtet, wird zutreffend als i.S. des § 6 a Abs. 1 Nr. 2 EStG, Abschn. 41 Abs. 3 EStG rückstellungsschädlich angesehen (vgl. dazu auch Küstner, VersR 04, 157, 165).

zu LS 10 - bedingte Zusage einer bAV - vgl. BGH, 16.03.1981 LS 2;

zu LS
11 vgl. BGH, 29.03.1990 LS 1 m.w.N., 11;

zu LS 13 vgl. MünchKomm/v. Hoyningen-Huene, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 194;

zu LS 14 vgl. BGH, 15.12.2016 LS 26 - Windhager 2 -; a.A. Evers/Kiene, ZfV 01, 765, 775; - Zulässigkeit von Klauseln über den Wegfall der Altersversorgung bei Geltendmachung des AA - vgl. LG München I, 08.12.2008 LS 18 - Allianz 14 -; vgl. ferner OLG München, 16.11.2006 LS 2 m.w.N.;

14.1 Nach dem Unabdingbarkeitsgrundsatz des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB darf der AA des HV weder zu Ungunsten des HV modifiziert werden noch darf dem HV die Durchsetzung des Anspruchs erschwert werden (OLG Hamm, 02.09.1999 LS 23 - Aral 4 -). Dadurch, dass die Klausel die Geltendmachung des AA zwingend mit einem Verzicht auf den Versorgungsanspruch verbindet, wird dem VV die Durchsetzung des AA insoweit erschwert, als er vor der Geltendmachung darüber entscheiden muss, ob er durch den Verzicht auf die Altersversorgung schlechter gestellt wird oder nicht. Da schon eine Verschärfung der formlos möglichen Anmeldung des AA teilweise als unzulässige Verschlechterung der aus § 89 b Abs. 4 HGB herrührenden Rechtsstellung des HV angesehen wird (vgl. dazu OLG Celle, 23.08.2001 LS 1 - Adressbuchverlagsvertreter -), hätte der Senat diesen Gesichtspunkt erörtern müssen.

14.2 Es sind Konstellationen denkbar, in denen der HV nicht ohne weiteres überschauen kann, ob es für ihn günstiger ist, den AA geltend zu machen oder eine Altersversorgung zu beziehen. Dies muss vor allem deshalb gelten, weil in der Praxis häufig Meinungsverschiedenheiten über die Höhe des AA bestehen. Durch die streitgegenständliche Klausel wird der HV daher praktisch gezwungen, auf die Geltendmachung des AA zu verzichten, um nicht möglicherweise schlechter gestellt zu werden. Das Interesse des U, eine Doppelbelastung zu vermeiden, rechtfertigt es nicht, schon an die Geltendmachung des AA den Verzicht auf die Altersversorgung zu knüpfen. Um die Erschwerung der Geltendmachung für den HV zu vermeiden, müsste auf die Zahlung eines AA abgestellt werden. Auf die Geltendmachung des Anspruchs könnte allenfalls dann abgestellt werden, wenn der U sich vor der Geltendmachung bereit erklärt hat, einen AA in einer bestimmten Höhe zu zahlen oder wenn der AA nach Grund und Höhe zwischen den Parteien unstreitig ist. In diesem Fall kann der HV bei der Geltendmachung des AA zumindest einschätzen, in welcher Höhe er mindestens mit einem zu zahlenden AA rechnen kann.

14.3 Bei der auch im Individualprozess anzulegenden kundenfeindlichsten Auslegung (vgl. dazu nur LG Göttingen, 01.09.1998 LS 2 m.w.N.) lässt die Klausel jedenfalls besorgen, dass der U eine möglicherweise sogar durch die eigene Äußerung geschaffene Unsicherheit über die Höhe des dem HV zustehenden AA ausnutzen könnte, um die HV von der Geltendmachung des AA abzuhalten. Das Transparenzgebot verlangt, dass die tatbestandlichen Voraussetzungen und Rechtsfolgen der beiderseitigen Rechte und Pflichten in einem HVV so genau beschrieben werden, dass für den Verwender kein ungerechtfertigter Beurteilungsspielraum entsteht, der bei dem anderen Teil Unklarheiten über dessen Rechte und Pflichten hinterlassen und diesen von der Durchsetzung seiner Rechte abhalten kann (BGH, 02.02.1999 LS 36 - Sixt -). Eine Formularbestimmung im HVV, die den HV als Vertragspartner des die Klausel verwendenden U von der Geltendmachung des AA abhalten kann, ist aus dem Gesichtspunkt eines Verstoßes gegen das Transparenzgebot nach Maßgabe der Vorschrift des § 9 AGBG die Wirksamkeit zu versagen.

zu LS 15 vgl. BGH, 15.12.2016 LS 26 - Windhager 2 -; - Zulässigkeit von Klauseln über den Wegfall der Altersversorgung bei Geltendmachung des AA - vgl. LG München I, 08.12.2008 LS 18 - Allianz 14 -;

zu LS 17 vgl. OLG München, 21.07.2004 LS 6 m.w.N. - Versicherungskammer Bayern -; zur Doppelbelastung des U vgl. Küstner, VersR 04, 977; - Anrechnung der Altersversorgung auf den AA, wenn und soweit die ungekürzte Zuerkennung im Einzelfall unbillig wäre - vgl. OLG München, 05.08.2009 LS 1 m.w.N. - Allianz 14 -; OLG München, 30.06.2005 LS 1 m.w.N., LS 3 m.w.N. - Allianz 8 -;

zu LS 19 vgl. BGH, 15.12.2016 LS 26 - Windhager 2 -;

zu LS 23 vgl. BGH, 15.12.2016 LS 26 - Windhager 2 -;

zu LS 25 vgl. Zöller/Greger, ZPO, 23.A., § 256 Rz. 7 c