BGH, Urteil, 20.01.2005 - III ZR 251/04 - EversOK



Gesetz
§ 307 BGB; § 652 BGB; § 165 VVG; § 178 VVG; § 9 AGBG; § 3 AGBG
Stichworte
- Atlanticlux 4 -; Fortfall vereinbarter Abschlussprovision bei Kündigung einer Lebensversicherung mit Nettopolice; Nettotarif; überraschende Klausel; Honorarvereinbarung; VMV; Ausschluss der Beratungspflicht; formularmäßige Abbedingung der Betreuungspflicht; Abdingbarkeit
Anmerkung
Vorinstanz LG Karlsruhe, 09.06.2005 - 5 S 246/03 -; AG Ettlingen, 22.10.2003 - 1 C 188/03 -; die Parteien haben den Rechtsstreit nach der Zurückverweisung an das LG im Vergleichswege beigelegt; zu der Entscheidung vgl. auch BGH, 20.01.2005 - Atlanticlux 3 -; zu der Entscheidungspraxis der Obergerichte vor den BGH Entscheidungen in den Atlanticlux-Fällen vgl. Loritz, VersR 04, 405; zu dieser Entscheidung vgl. auch den Beitrag von Looschelders/Götz, JR 06, 65;

zu LS 1 vgl. BGH, 19.05.2005 LS 5 m.w.N. - Atlanticlux 10 -;

zu LS 2 vgl. die Anm. 30;

zu LS 4 vgl. OLG Köln, 10.10.2006 LS 2; Anm. 1.6 m.w.N. zu OLG München, 19.11.1974; vgl. aber BFH, 21.10.1971 LS 5; a.A. OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 25 m.w.N. (§ 354 HGB);

zu LS 5 vgl. BGH, 14.04.2005 LS 3 m.w.N. - Atlanticlux 5 -; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 3; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 70; a.A. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Reiner, HGB, 4.A., § 98 Rz. 30; zur Formfreiheit des VMV vgl. BGH, 14.04.2005 LS 3 m.w.N. - Atlanticlux 5 -;

zu LS 7 vgl. Honsell/Schwintowski, VVG, Vorbem. §§ 159-178 Rzz. 68 ff.;

zu LS 8 vgl. OLG München, 19.11.1974 LS 1 m.w.N.; Bruck/Möller, VVG, Bd. I, 8.A., vor §§ 43–48 Rz. 82; Honsell/Gruber, VVG, Anh. zu § 48 Rz. 18; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 35; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 125;

zu LS 10 vgl. BGH, 19.05.2005 LS 5 m.w.N. - Atlanticlux 10 -; 19.05.2005 LS 4 m.w.N. - Atlanticlux 9 -; Loritz, VersR 04, 405, 408 ff.; a.A. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 42 a; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 84;

zu LS 14 Die vorformulierte "Vermittlungsgebührenvereinbarung” enthielt u.a. die nachstehenden Bestimmungen:

"1. Der HM wird vom Kunden beauftragt, ihm die nachfolgend gekennzeichneten Versicherungsverträge zu vermitteln. Er erhält vom Kunden für jeden vermittelten Versicherungsvertrag eine Vermittlungsgebühr. Der HM erhält vom jeweiligen Versicherungsunternehmen für die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages keine Vergütung.
2. Die vom HM zu erbringende Leistung ist auf die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages beschränkt. Eine über die Vermittlung des jeweiligen Versicherungsvertrages hinausgehende Beratungs- oder Betreuungspflicht ist nicht Gegenstand dieser Vereinbarung und wird vom HM nicht geschuldet.

4. Der Anspruch des HM ggü. dem Kunden auf Zahlung der jeweiligen Vermittlungsgebühr in den ersten drei Versicherungsjahren … entsteht mit der Annahme des jeweiligen Versicherungsantrages durch das Versicherungsunternehmen, sofern der Kunde nicht nach den Bestimmungen des VVG dem jeweiligen Versicherungsvertrag widerspricht oder seinen Rücktritt vom jeweiligen Versicherungsvertrag erklärt oder seinen Antrag widerruft. Die Vermittlungsgebührenansprüche des HM … bleiben jedoch von einer Änderung oder vorzeitigen Beendigung des jeweiligen Versicherungsvertrages aus anderen Gründen unberührt.
5. Zur Sicherung der Ansprüche des HM auf Zahlung der jeweiligen Vermittlungsgebühr während der ersten drei Versicherungsjahre … tritt der Kunde seine gegenwärtigen und zukünftigen Ansprüche auf Versicherungsleistungen aus dem jeweils vermittelten (Haupt-)Versicherungsvertrag … an den HM ab, der diese Abtretung annimmt."

zu LS
16 vgl. BGH, 14.12.2000 LS m.w.N.;

zu LS 17 vgl. OLG Köln, 22.06.2004 LS 10 - Atlanticlux 22 -;

zu LS 22 vgl. Motive zum VVG, Nachdruck 1963, S. 224; Honsell/Schwintowski, VVG, § 165 Rz. 1;

zu LS 24 vgl. a.A. Loritz, VersR 04, 405 f., 409, 410;

zu LS 25 vgl. Bruck/Möller/Winter, VVG, Bd. V/2 Anm. G 399; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., vor § 159 Rz. 53; nunmehr Prölss/Martin/Schneider, VVG, 30.A., § vor 150 Rz. 83; Honsell/Schwintowski, VVG, Vorbem. §§ 159-178 Rzz. 68 ff.;

zu LS 27 zur Anwendung der Vorschriften über die Provision des VV auf den Courtageanspruch des VM vgl. BFH, 21.10.1971 LS 5 m.w.N.; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 35; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 125;

zu LS 28 vgl. BGH, 27.01.1972 LS 3 m.w.N. - Aerosol -;

zur Abdingbarkeit des § 92 Abs. 4 HGB vgl. OLG Frankfurt/Main, 08.01.2009 LS 3 m.w.N. - Atlanticlux 21 -;

zu LS 30 vgl. BGH, 19.05.2005 LS 15 - Atlanticlux 10 -; 14.04.2005 LS 28 - Atlanticlux 5 -; 14.04.2005 LS 28 - Atlanticlux 6 -; 14.04.2005 LS 28 - Atlanticlux 7 -; 19.05.2005 LS 8 - Atlanticlux 9 -; 11.05.2006 Anm. 4 - Krankenversicherung -; 14.06.2007 - III ZR 269/06 - LS 10; LG Offenburg, 20.04.2004 LS 8 - Atlanticlux 12 -; Baumann/Beenken/Sandkühler, Handbuch Maklermanagement, 2.A., S. 72; Armbrüster, r+s 17, 57, 61, der einen formularmäßigen Ausschluss der laufenden (vertragsbegleitenden) Beratungspflicht des VM im VMV unter dem Gesichtspunkt einer Gefährdung des Vertragszwecks gemäß § 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2 BGB als unwirksam ansieht, weil die laufende Beratung zum Kern des Leistungsversprechens eines VMV gehöre; a.A. OLG Frankfurt/Main, 25.09.2001 LS 14 - Atlanticlux 15 -; Schwintowski, Grenzen nachvertraglicher Beratungspflichten des Versicherungsmaklers, FS für Hübner 2012, S. 303, 317 f. (mangels bestehender dauerhafter Beratungspflichten benachteiligt nur der formularmäßige Ausschluss jeglicher sich im Einzelfall versicherungsvertragsbegleitend aus § 241 Abs. 2 BGB ergebender Beratungs- und Hinweispflichten); allgemein eine formularmäßige Freizeichnung des VM von der Beratungspflicht für unwirksam haltend auch Looschelders/Pohlmann/Baumann, VVG, 2.A., § 61 Rz. 29; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 61 Rz. 36; Schwintowski, VersR 15, 1062, 1068; a.A., Armbrüster, Aktuelle Rechtsfragen der Beratungspflichten von Versicherern und Vermittlern 2008, S. 23, die Abweichung vom gesetzlichen Leitbild unter Hinweis auf § 61 Abs. 2 VVG verneinend;

Individualvertraglich ist eine Vereinbarung des Inhalts möglich und bindend, dass der VM mit beschränktem Leistungsumfang für den Auftraggeber tätig wird, dass er also nach erfolgter Beratung und Vermittlung die Versicherungsverträge nicht weiter betreut (vgl. dazu Baumann, Die Courtage des Versicherungsmaklers 1996, S. 38). Insbesondere führt der Umstand, dass die Parteien des VMV nicht vereinbart haben, dass der VM den VN dauerhaft betreut, nicht dazu, dass ein VMV nicht anzunehmen ist (BGH, 28.06.2018 LS 20).

zu LS 31 vgl. BGH, 26.03.2014 LS 12; OLG Hamm, 19.06.2000 LS 4 m.w.N.; AG Esslingen, 18.09.2007 LS 1 - Profit Capital Fondpolice -; Honsell/Gruber, VVG, Anh. zu § 48 Rzz. 6 ff.; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 5; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 72; vgl. auch die Anm. 4 zu BGH, 11.05.2006 - Krankenversicherung 1 -;

zur Pflicht zur umfassenden Betreuung aller Versicherungsinteressen des VN vgl. OLG Hamm, 19.06.2000 LS 4 m.w.N.;

zur vom VM geschuldeten umfassenden Beratung - vgl. BGH, 26.07.2018 LS 6 m.w.N. - MLP 37 -;

teilweise wird die Pflicht zur Vermittlung des passenden Versicherungsschutzes und damit auch zu der notwendigerweise vorangehenden Beratung und Bedarfsermittlung unter Berufung auf diese Entscheidung als Hauptleistungspflicht des VM angesehen, so etwa OLG Brandenburg, 23.10.2012 LS 7 m.w.N.; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 28.A., § 61 Rz. 8; andere berufen sich auf 22.05.1985 LS 10 m.w.N. - Victoria 1 -, so etwa Wendt, VW 1/19, 100 bei FN 20